Die Musiker und das Social Web
“Ich möchte mal einen trefffen, der auch nur eine CD über MySpace verkauft hat.” Oder “Das ist doch alles nur Zeitklau.” Solche oder ähnliche Sätze habe ich mittlerweile schon öfter im Gespräch über MySpace oder Facebook mit anderen Musikern gehört. Es scheint wenigstens in meinem Bekanntenkreis doch noch eine ziemlich große Skepsis, um nicht zu sagen Ablehnung, gegenüber den Social Networks zu geben. Ich glaube, dass das vor allem daran liegt, dass die meisten Skeptiker (und vielleicht auch manche Befürworter) noch nicht verstanden haben, wie sie ein Social Network für sich ausnutzen können.
Denn einfach nur ein MySpace Profil (oder Facebook, Xing, Twitter etc.) anzulegen mit dem Hinweis auf die neue CD oder das nächste Konzert und dann darauf zu warten, dass die Leute einem die Bude einrennen bringt natürlich nichts. Auch wahllos 10.000 Freunde zu sammeln und diie dann mit einem Newsletter zu bespammen kann man sich getrost sparen. Das fällt tatsächlich in die Kategorie Zeitklau. Manche betreiben auch ihre MySpace Seite gar nicht selber, sondern beauftragen jemanden damit. Und wenn das nicht jemand ist, der sich aus Begeisterung dieser Aufgabe widmet, dann ist das sinnlos. Social Networks sind vor allem ein Kommunikationsmedium, und interessant werden sie dann, wenn man sie genau dafür nutzt: um mit anderen in Kontakt zu treten. Man muß nur wissen, wen man erreichen will. Das können entweder Fans einer bestimmten Musikrichtung sein, oder auch Ansprechpartner in der Industrie, welche auch immer das sein mag (Film, TV, Werbung, Hörbuch etc.) Hat man die erst mal gefunden, ist die eigentliche Kontaktaufnahme leicht. Der auf diese Weise Angesprochene clickt dann als erstes das Profil an und sieht sofort, was Sache ist. Und wenn das, was er sieht, für ihn interessant ist, dann stehen die Chancen für einen Dialog gut! Deshalb ist es natürlich von essentieller Bedeutung, dass die Seite, auf die man verlinkt möglichst aussagekräftig und interessant ist. Der erste Eindruck ist ja bekanntlich entscheidend.
Natürlich darf man nicht erwarten, dass jeder Kontakt im Social Network eine verkaufte CD bedeutet. Auch nicht jede Antwort von einem Musikverleger hat den nächsten Auftrag zur Folge. Und da hat sich zu früher nichts geändert, das war schon immer so. Es ist ja nicht so, dass einem in der Pre- MySpace- Ära die Plattenverträge nur so nachgeschmissen wurden. Aber der Punkt ist:
Kontakt herzustellen zu potentiellen Fans oder Geschäftspartnern ist nicht schwer, man braucht dazu nur eins: Zeit. Zeit, um zu suchen, und Zeit, um sein Profil zu gestalten. Aber diese Zeit ist nicht verschwendet, sondern genutzt. Und jeder, der diese Zeit nicht aufwendet, hat einen deutlichen Nachteil gegenüber denen, die es tun. Und je mehr Zeit verstreicht, desto größer wird der Vorsprung. Denn bei den Kontakten, die man online knüpft gilt das gleiche, wie bei denen, die man offline knüpft. Eine Beziehung aufzubauen braucht Zeit. Also fängt man besser gleich damit an.
Wer sich intensiver in das Thema eintauchen will, dem empfehle ich die Lektüre von Gerd Leonhard.