Archive for the ‘Musik’ Category

Hit Predictions und die schonungslose Wahrheit über deinen Musikgeschmack

Freitag, März 6th, 2009

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Mike McCready ist kein Durchschnittstyp. Denn er hat ein Computerprogramm geschrieben, dass Musik nach diversen Kriterien analysiert. Zugegeben, soweit noch nicht besonders spannend, wahrscheinlich haben das schon einige vor ihm gemacht. Aber es gibt zwei Dinge, die seine Software auf dramatische Art und Weise herausragen lässt.
Der erste und spektakuläre Punkt dabei ist, dass seine Analyse zeigt, ob ein Song ein Hit werden kann oder nicht. Klingt unglaublich, scheint aber tatsächlich zu stimmen. McCready hat Millionen von Songs analysiert, Hits und “Nicht- Hits”, und nicht nur Pop/Rock hat er eingespeist in sein System, sondern auch z.B. klassische Musik und alles, was “als Musik betrachtet wird” wie er sagt. Dabei hat er herausgefunden, dass wir, die Zuhörer, bestimmte Elemente, bzw. Kombinationen von Elementen in der Musik wie Tempo, Tonart, Länge etc. unbewusst als besonders angenehm finden, und dass Songs die eine dieser Kombinationen besonders ausgeprägt aufweisen zu Hits werden können. Alle anderen Songs nicht! Damit ein Song ein Hit wird muss er allerdings immer noch den Massen zugänglich gemacht und entsprechend beworben werden. Und es ist auch nicht gesagt, dass die “Nicht- Hits” nicht tolle Songs sein können. Denn es ist ja nicht so, dass wir unsere Lieblingslieder danach aussuchen, welche die grössten Hits sind.
Und da sind wir beim zweiten Punkt. Denn durch die Analyse eines Songs ist es möglich, ihn anderen Songs mit den gleichen oder ähnlichen Elementkombinationen zuzuordnen. Und das, sagt McCready, ist der eigentliche Zweck seiner Software. Man kann sich leicht vorstellen, wie so ein Programm genutzt werden kann: wer dieses Album mag, dem gefällt wahrscheinlich auch dieses oder jenes. Das gibt es zwar jetzt schon bei Amazon, allerdings besteht die Empfehlung bei Amazon daraus, zu sagen: wer das gekauft hat, hat auch das gekauft. McCready aber behauptet, er kann mit großer Wahrscheinlichkeit sagen, welche Musik eine ähnliche Wirkung auf den Zuhörer hat wie seine Lieblingsband.

Und jetzt kommt das, was ich besonders spannend finde: McCready sagt, dass es immer auch eine soziale Komponente dabei gibt, welche Musik wir gut finden und welche nicht. Soll heißen, jeder Song, jede Band, jeder Künstler steht für etwas, das nichts mit der Musik an sich zu tun hat. Der soziale Kontext. Ein echter Rocker darf nicht Britney Spears hören, sonst verliert er seine Credibility. Und als Jazzer kann man 3- Akkorde- Schrammel- Punk nicht wirklich ernst nehmen, wenn man in der Jazz Welt seine Glaubhaftigkeit behalten will. (Schon ein Wort wie Credibility in diesem Zusammenhang ist äußerst kritisch.) Und diese soziale Komponente kann McCready in seiner Software an- oder ausschalten. Wow! Was für eine Offenbarung! Man überlege sich nur, was passieren könnte, wenn man erfährt, was man tatsächlich alles gut findet. Wahrscheinlich kann man so eine Analyse nicht jedem so ohne weiteres empfehlen. Zu unvorhersehbar sind die Reaktionen, die das Ergebnis der Analyse hervorrufen kann. Jetzt kann aber erstmal aufgeatmet werden, denn das Programm ist nicht öffentlich zugänglich. Wenigstens nicht, dass ich wüsste.

Natürlich würde das aber auch nichts ändern. Denn diese soziale Komponente ist ziemlich stark. Ich wage zu behaupten, dass sie in vielen Fällen schwerer wiegt, als die musikalischen Komponenten. Rudi Carrell’s Hit “Wann wird es mal wieder richtig Sommer” z.B. heißt im Original “City of New Orleans” und ist ein Song von Willie Nelson. Unterschiedlicher können 2 Künstler nur schwer sein. Beziehungsweise, vielleicht sind sie gar nicht so unterschiedlich, aber das wofür sie stehen unterscheidet sich stark. Da ist auf der einen Seite die Country Legende, ein Hippie und Outlaw, und auf der anderen der Fernsehproduzent und Komiker. Dementsprechend sind die Reaktionen auf die beiden Songs sehr unterschiedlich, je nachdem wen man befragt. Man kann nicht davon ausgehen, dass die meisten Willie Nelson Fans auch den Rudi Carell Song gut finden, obwohl es doch eigentlich der gleiche Song ist.

Wer gern mehr erfahren will, schaut sich am besten dieses Video Interview mit Malcolm Gladwell und Mike McCready an (dauert bestimmt 20min oder mehr und der Player kann nicht angehalten werden, aber es lohnt sich.)

Seth Godin über die Musikindustrie

Samstag, Februar 14th, 2009

Seth Godin hat in seinem Blog einen interessanten Beitrag über die derzeitige Situation der Musikindustrie geschrieben. Er gehört zu denen, die sagen, dass die Zeiten für Musiker nie besser waren als heute. Zu kompletten Beitrag geht es hier. Im folgenden ein kurzer Auschnitt:

The music industry is really focused on the ‘industry’ part and not so much on the ‘music’ part. This is the greatest moment in the history of music if your dream is to distribute as much music as possible to as many people as possible, or if your goal is to make it as easy as possible to become heard as a musician. There’s never been a time like this before. So if your focus is on music, it’s great. If your focus is on the industry part and the limos, the advances, the lawyers, polycarbonate and vinyl, it’s horrible.

Die Musiker und das Social Web

Samstag, Februar 14th, 2009

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“Ich möchte mal einen trefffen, der auch nur eine CD über MySpace verkauft hat.” Oder “Das ist doch alles nur Zeitklau.” Solche oder ähnliche Sätze habe ich mittlerweile schon öfter im Gespräch über MySpace oder Facebook mit anderen Musikern gehört. Es scheint wenigstens in meinem Bekanntenkreis doch noch eine ziemlich große Skepsis, um nicht zu sagen Ablehnung, gegenüber den Social Networks zu geben. Ich glaube, dass das vor allem daran liegt, dass die meisten Skeptiker (und vielleicht auch manche Befürworter) noch nicht verstanden haben, wie sie ein Social Network für sich ausnutzen können.


Denn einfach nur ein MySpace Profil (oder Facebook, Xing, Twitter etc.) anzulegen mit dem Hinweis auf die neue CD oder das nächste Konzert und dann darauf zu warten, dass die Leute einem die Bude einrennen bringt natürlich nichts. Auch wahllos 10.000 Freunde zu sammeln und diie dann mit einem Newsletter zu bespammen kann man sich getrost sparen. Das fällt tatsächlich in die Kategorie Zeitklau. Manche betreiben auch ihre MySpace Seite gar nicht selber, sondern beauftragen jemanden damit. Und wenn das nicht jemand ist, der sich aus Begeisterung dieser Aufgabe widmet, dann ist das sinnlos. Social Networks sind vor allem ein Kommunikationsmedium, und interessant werden sie dann, wenn man sie genau dafür nutzt: um mit anderen in Kontakt zu treten. Man muß nur wissen, wen man erreichen will. Das können entweder Fans einer bestimmten Musikrichtung sein, oder auch Ansprechpartner in der Industrie, welche auch immer das sein mag (Film, TV, Werbung, Hörbuch etc.) Hat man die erst mal gefunden, ist die eigentliche Kontaktaufnahme leicht. Der auf diese Weise Angesprochene clickt dann als erstes das Profil an und sieht sofort, was Sache ist. Und wenn das, was er sieht, für ihn interessant ist, dann stehen die Chancen für einen Dialog gut! Deshalb ist es natürlich von essentieller Bedeutung, dass die Seite, auf die man verlinkt möglichst aussagekräftig und interessant ist. Der erste Eindruck ist ja bekanntlich entscheidend.


Natürlich darf man nicht erwarten, dass jeder Kontakt im Social Network eine verkaufte CD bedeutet. Auch nicht jede Antwort von einem Musikverleger hat den nächsten Auftrag zur Folge. Und da hat sich zu früher nichts geändert, das war schon immer so. Es ist ja nicht so, dass einem in der Pre- MySpace- Ära die Plattenverträge nur so nachgeschmissen wurden. Aber der Punkt ist:
Kontakt herzustellen zu potentiellen Fans oder Geschäftspartnern ist nicht schwer, man braucht dazu nur eins: Zeit. Zeit, um zu suchen, und Zeit, um sein Profil zu gestalten. Aber diese Zeit ist nicht verschwendet, sondern genutzt. Und jeder, der diese Zeit nicht aufwendet, hat einen deutlichen Nachteil gegenüber denen, die es tun. Und je mehr Zeit verstreicht, desto größer wird der Vorsprung. Denn bei den Kontakten, die man online knüpft gilt das gleiche, wie bei denen, die man offline knüpft. Eine Beziehung aufzubauen braucht Zeit. Also fängt man besser gleich damit an.

Wer sich intensiver in das Thema eintauchen will, dem empfehle ich die Lektüre von Gerd Leonhard.